Peitschen-Peer

Steuern und Subventionen sind eine hochemotionale Angelegenheit. Sieht jedenfalls gerade ganz so aus, finden Sie nicht? Da steht „Der hässliche Deutsche“ auf der Titelseite eines Schweizer Magazins. Daneben Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, wie er unter gerunzelten Brauen hervorblickt, die Lippen fest zusammengepresst.

Was geschehen ist? Steinbrück hatte die angedrohte schwarze Liste der Steuersünderstaaten mit der siebten Kavallerie vor Yuma verglichen – die sorgte seinerzeit unter Indianern für ein Massaker sondergleichen. Man müsse sie ja nicht unbedingt ausreiten lassen, schob Steinbrück nach – wahrscheinlich, ich kann da nur mutmaßen –, im Versuch, es nicht ganz so unversöhnlich klingen zu lassen: „Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.“ Sie, also die Kavallerie.

Von den Indianern von jenseits der Alpen her johlt es seither zurück: „Steuerwüstenminister“, „ungehobelter Kerl“. Er ist eben derzeit einer der „meistgehassten Menschen in der Schweiz“, unser Finanzminister. Der lässt nun seinen Sprecher Torsten Albig ran. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass selbst schlichte Bilder bei Ihnen sehr sensibel wahrgenommen werden“, erklärte der vielsagend. Und ließ wissen, die Eidgenossen hätten in der Kritik an seinem Chef jedes Maß verloren.

„Holla die Waldfee“, wird sich da der deutsche Botschafter denken. Ansonsten einen eher beschaulichen Job gewöhnt, wurde er nun schon zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres ins Schweizer Außenministerium zitiert, um sich für „Peitschen-Peer“ zu rechtfertigen. So heißt Steinbrück bei den Eidgenossen, seit er im Oktober damit drohte, Deutschland dürfe im Umgang mit Staaten, die Steuersünder schützen, nicht nur mit dem Zuckerbrot winken, sondern müsse auch die Peitsche schwenken. Der traditionell so beschauliche Job des Deutschen Botschafters in der Schweiz, er ist ungemütlich geworden.
Ungemütlich stelle ich mir auch vor, was Türsteher einem Bericht der tagesthemen von vor einigen Tagen zufolge derzeit in hippen New Yorker Clubs tun: Nicht Leute ausschließen, sondern einschließen. Ja, man glaubt es kaum. Aber so wurde es berichtet: Die Türsteher standen im Innern und versperrten den Ausgang.

Anlass für den Bericht war die Beobachtung, wie in der Krise derzeit in New York die Nicht-Jobs aus dem Boden schießen – also echte, offenbar durchaus entgoltene Unsinnsaufgaben. Nicht die normalen, irgendwie ehrenwerte Jobs wie Tüteneinpacken oder putzen etwa. Nein: Autos in Parkhäusern ein- und auswinken oder Wasserhähne in Nobelrestauranttoiletten für die Gäste aufdrehen. Oder eben Clubs vor dem Sich-Leeren schützen. Gut, die ebenfalls beobachteten Schlangensteher am Broadway werden heute weniger zu tun haben, als zuvor. Nehme ich jedenfalls an.
aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 20.03.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Summ-Suche

wann haben Sie das letzte Mal in einer Musikhandlung gestanden und dem Verkäufer etwas vorgesummt? In der Hoffnung, dass der die Melodie erkennt und auf Tonträger besorgen kann – und Sie sich dabei nicht gar zu sehr blamieren.

Das ist wahrscheinlich ist schon ein Weilchen her. Schließlich haben Sie bei vielen Radiosendern heute mit wenigen Klicks auf der Internetseite heraus, wie das Lied hieß, das Sie da vorhin auf der Heimfahrt vom Büro gehört haben. Wenn Ihnen das nicht sowieso schon Ihr Display anzeigt. Auch die Info-Hotlines von Automobil-, Pizza- oder Süßwarenherstellern verraten Ihnen gern, wie das Lied aus der Fernsehwerbung heißt.

Vielleicht wissen Sie aber auch gar nicht mehr, wo Sie diese Melodie gehört haben, die Ihnen nicht aus dem Ohr gehen will? Und Ihre Familie, Freunde und Kollegen erkennen die Tonfolge auch nicht? Für diesen Fall hat das Fraunhofer Institut nun eigens eine Melodiensuche für das Internet erfunden. Einfach „Melodiensuche“ googeln. Und auf der Seite selbst dann bitte nur summen, nicht singen.

Überhaupt sollten Sie viel öfter summen – es ist offenbar sehr gesund. Neuesten medizinischen Forschungen zufolge hilft es, Schnupfen zu kurieren und beugt Knochenerweichung und Arterienverhärtung gleichermaßen vor. Mal ganz abgesehen von der seelischen Linderung, die das Summen mit sich bringt. Sie werden sehen, Sie sind ganz ausgeglichen…

Um das zu erreichen, können Sie sich jetzt auch ein neuartiges Spielzeug zulegen: einen kleinen Roboter. Der sieht aus wie eine zweiblättrige Grünpflanze in einem rosa Topf und kann verständnisinniger nicken kann, als die Feld-Wald- und Wiesen-Ehefrau. Zumindest die in Japan. Sagt zumindest der japanische Hersteller.

Wenn Sie mit der Pflanze sprechen, neigt sie in den Pausen zwischen zwei Sätzen ihre Blätter. Das sieht aus wie ein Nicken und fühlt sich offenbar sehr erleichternd an. Probieren Sie es doch mal aus. Die wissenschaftliche Methode, nach der das Plastikgewächs arbeitet, hat Professor Watanabe von der Universität Okayama ausgetüftelt. Sie hat zum Ziel, dem – äh – Gesprächspartner der Pflanze zu helfen, seine Gefühle besser auszudrücken.

Wie Sie dafür sorgen, dass auch Ihr Finanzbeamter oder Betriebsprüfer verständnisinnig nickt, wenn er einen Blick auf Ihre Rückstellungen für die Aufbewahrung Ihrer Geschäftsunterlagen wirft, erfahren Sie in dieser Newsletterausgabe.
aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 17.03.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Haarfarbe

die Haarfarbe eines Staatsoberhaupts ist für die ein oder andere Schlagzeile gut. Erinnern Sie sich noch? Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ vor ein paar Jahren Spekulationen darüber verbieten, ob er seine Haare dunkel färben lässt – um jung und dynamisch zu wirken. Nun trifft die Spekulationswelle US-Präsident Barack Obama. Allerdings soll Obama seine Frisur an den Schläfen extra grau färben – um seriöser und staatstragender zu wirken. Wie einer eben, der auch die Finanzkrise in den Griff bekommt. Das mutmaßen selbst seriöse amerikanische Gazetten.

Das kann für die Branche der Haarpfleger nur gut sein. Womöglich fällt landauf landab der ein oder andere Besucher mehr für die Friseursalons ab. Das wäre sicherlich hilfreich. Erreichen uns doch sonst eher trübe Meldungen.

So haben Wissenschaftler kürzlich herausgefunden, dass für das natürliche Ergrauen der alternden Haarpracht der gleiche Stoff verantwortlich ist, wie für die Locken der Monroe: Wasserstoffperoxid. Allerdings körpereigenes. Jetzt müssen die Forscher nur herausfinden, wie das Bleichen von innen heraus funktioniert, dann könnten sich Horden von Silberschöpfen viel Geld für Haarfärbemittel oder Färbesitzungen beim Friseur sparen. Als wäre die Friseurindustrie nicht schon genug von Billigketten und haarpflegetechnischen Selbstversorgern gebeutelt.

Nun jährt sich auch noch – ausgerechnet im konjunkturellen Winter – ein friseurfeindlicher regionaler Brauch. Wie alle zehn Jahre üblich, forderte die oberbayrische Gemeinde Oberammergau ihre Gemeindemitglieder auch nun wieder auf, von Aschermittwoch an die Haare wachsen zu lassen – und zwar gleich für die nächsten anderthalb Jahre. „Für Männer gilt das auch für Bärte“, ordnet der diesjährige amtliche Haar- und Barterlass an. Etwa die Hälfte der Einwohner – rund 2500 Oberammergauer – werden der Aufforderung wohl Folge leisten und ihren Barbier boykottieren. Nur um an den – na gut: international bekannten – Passionsspielen teilnehmen zu können, die im kommenden Jahr aufgeführt werden.

Schlechte Zeiten für Friseure also. Und das auf ganzer Linie. Denn nun trifft sie auch noch ein Nichtanwendungserlass der besonderen Art. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück weigert sich nämlich, die von der Europäischen Union geplante Senkung des Mehrwertsteuersatzes für personalintensive Dienstleistungen in deutsches Recht zu übertragen. Steinbrück sagt es offen: Er sei nicht bereit, Steuerausfälle in Milliardenhöhe hinzunehmen. „Das ist eine Option, von der andere Länder Gebrauch machen können“, verweist er. Immerhin stellte er sich am Dienstag nun dem europäischen Kompromiss nicht mehr in den Weg.

Die europäischen Friseure, Gastronomen, Bauunternehmer oder etwa häusliche Alten- und Krankenpfleger wird es freuen.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 12.03.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html


Insolvenz

Worte sind alles andere als Schall und Rauch. Im Gegenteil. Sie haben sogar bisweilen etwas Beschwörendes. Das zeigt sich gerade bei Opel und dem Wort Insolvenz.
Die Insolvenz ist hierzulande ein Tabu. Dass ein Unternehmen pleite gehen kann, darüber spricht man in etwa so gern wie über den Tod.

Wenn das nun bloß eine harmlose nationale Marotte wäre, wäre es ja in Ordnung. Aber leider ist das nicht so. Es hat handfeste Folgen: Unternehmer, die hierzulande in die Insolvenz gehen, können wirtschaftlich tatsächlich kaum näher am Tod sein – ihnen ist es danach fast unmöglich, je wieder Geldgeber für ein neues Unternehmen zu finden. Anders als etwa in den USA, wo die Devise lautet: Aufstehen und weitermachen. Diese Haltung finde ich sinnvoller. Immerhin sind Unternehmer mit Scheiternserfahrung in der Regel besonders gut gewappnet gegen einen der häufigsten Insolvenzverursacher: Managementfehler.

Doch die Wirtschafts- und Fehlerkultur ist hierzulande eben eine andere. Und so wirkt denn auch wie ein Affront, was Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem in die Schieflage geratenen Autobauer Opel vorschlägt: Opel solle doch darüber nachdenken, Insolvenz anzumelden, rät Schäuble. Ein Insolvenzverfahren habe viele Vorteile, pflichtet Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei.

Opel und die IG Metall lehnen die Idee – wenig überraschend – schlicht ab, und auch Opel-Mutter General Motors spricht sich gegen eine mögliche Insolvenz aus. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch, Partei- beziehungsweise Fraktionskollege von der CDU, mault „Wer ständig darüber schwadroniert, zerstört das Vertrauen von Kunden und Lieferanten und redet eine Insolvenz herbei.“ SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nennt das Insolvenzszenario „unverantwortlich“.

Dabei stimmt wohl, was Schäuble und zu Guttenberg sagen: dass eine Insolvenz ihre Vorteile hat – auch wenn das hierzulande unpopulär ist. Das deutsche Insolvenzrecht ist seit der Reform vor einem Jahrzehnt darauf ausgelegt, ein Unternehmen wenn möglich zu erhalten. Das Verfahren dient gerade nicht mehr dazu, ein Unternehmen, wie früher üblich, abzuwickeln und die Reste zu verwerten. Vielmehr soll der Betrieb wenn irgend möglich, weitergehen – geschützt vor den Gläubigerforderungen.

Zugegeben – es hängt stark vom Insolvenzverwalter ab, was draus wird. Das ist ein echtes Manko des deutschen Insolvenzrechts. Aber dass die Insolvenz nicht das Ende ist, zeigen Autozulieferer wie Tedrive oder TMD Friction, die trotz Insolvenz weiterwerkeln können. Und dass auch die Sanierung in der Insolvenz gelingen kann, zeigt die Pleite des Baukonzerns Philip Holzmann vor ein paar Jahren: der Insolvenzverwalter erklärte kürzlich, 80 Prozent der inländischen Arbeitsplätze seien erhalten geblieben. An die Gläubiger zahlt er derzeit die ersten Abschlagszahlungen. Die Angst vor der Katastrophe war damals ähnlich groß wie die Bedenken heute.

Noch steht Opel derzeit eher der Sinn danach, sich mit drei bis vier Milliarden Euro von der Bundesregierung retten zu lassen. Einem Bericht zufolge malt der Autobauer drei geschlossene Werke und 11.000 Arbeitsplätze weniger an die Wand, wenn die Regierung nicht finanziell einspringe.

Eine Drohung, die im übrigen nur funktioniert, weil die Insolvenz ein solches Schreckgespenst ist. Schließlich käme ein Verlust von tausenden Arbeitsplätzen im Wahljahr wohl keiner Partei gelegen. Dem Autobauer wird es wohl trotzdem nicht gelingen, der Regierung die benötigte Finanzspritze aus den Rippen zu leiern. Schließlich ist Opel zwar ein wichtiger Arbeitgeber und damit Wirtschaftsfaktor, aber nicht für die Stabilität des Wirtschafts- oder Finanzmarktsystems als solchem von Nöten.

Glücklicherweise arbeitet Opel noch auf eine der Alternativen zwischen hopp oder topp hin: 3500 Arbeitsplätze weniger, erkauft mit Lohnverzicht der Mitarbeiter und sicher auch noch der ein oder anderen weiteren Sanierungsmaßnahme. So wie viele tausend Unternehmen hierzulande derzeit, die ebenfalls versuchen, mit diversen Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen Kündigungen zu vermeiden oder wenigstens zu verzögern – vielleicht ja auch Ihr Unternehmen. Das ist wiederum legitim und sinnvoll. Wenn auch zugegebenermaßen nicht immer schön.

Vor kurzem ist mir in dem Zusammenhang ein Freudscher Dreher unterlaufen. Da habe ich in einem Artikel über Kurzarbeit als zwei mögliche Maßnahmen von Unternehmen, Kündigungen zu umgehen, aufgeführt: Kurzurlaub und Zwangsarbeit.
Es hätte natürlich heißen müssen: Kurzarbeit und Zwangsurlaub.
War ich war froh, dass ich den Fehler rechtzeitig bemerkt habe…
aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 10.03.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Rechenmaschine

schön, dass Sie wieder Ihre Rechenmaschine eingeschaltet haben, um sich zu informieren und zu kommunizieren oder was auch immer Sie heute tun wollen.

So haben Sie das noch gar nicht betrachtet? Gut, ich denke auch nicht täglich daran, wie sehr mir mein Computer oder meine Spül- und Waschmaschine das Leben doch erleichtern. Maschinen gehen uns Menschen eben seit langem so erfolgreich zur Hand, dass wir sie fast nicht mehr wahrnehmen. Sie schrauben Autos oder Kaffeemaschinen für uns zusammen, rechnen Statikbedingungen aus oder verschaffen uns Zugang zu den Bibliotheken der Welt.

Nur wenn Sie in der Mittagspause „Schere, Stein, Papier“ spielen wollen, müssen Sie sich noch die Mühe machen, einen Ihrer Kollegen aus Fleisch und Blut zu überzeugen. Als Führungskraft könnten Sie natürlich auch einfach im Meeting Entscheidungen auf diesem Weg fällen lassen. Wenn Sie das denn wollen…

Diese allzu menschliche Domäne hat die Technik jedenfalls bislang nicht erobert. Doch jetzt gibt es Berti. Berti ist etwa so groß wie ein Fünfjähriger und erinnert an eine Kreuzung aus Terminator und Crash Test Dummy. Und er kann Schnick schnack schnuck spielen, wenn der Mitspieler sich die Spielhand verkabeln lässt. Freuen Sie sich auch so darüber?

Gut, Sie brauchen nicht gleich loszuziehen. Noch gibt es den Roboter nicht im Handel. Vor wenigen Tagen forderte Berti im Londoner Wissenschaftsmuseum zum Schnick Schnack Schnuck-Spiel heraus. Noch ist er auch ein bisschen teuer – schließlich ist er nur ein Prototyp und die Serienreife in weiter Ferne. Allein das Material, aus dem die Wissenschaftler vom britischen Bristol Robotics Laboratory and Elumotion Berti zusammengeschraubt haben, kostet 225.000 Euro. Schließlich muss er leicht und gelenkig sein.

Vor allem aber ist Berti wohl auch viel langweiliger, als Ihre oder die Spielkonsole Ihres Sohnes. Fragen Sie sich auch, wofür Berti dann wohl gut sein soll? Für den Industriegebrauch ist es sicher sinnlos, die gute alte Handarbeit so teuer zu ersetzen. Dass Berti auch schummeln können soll, qualifiziert ihn in diesen Zeiten nicht gerade zu Höherem. Und seine wenigen Phrasen würden wahrscheinlich nicht mal für ein „Ich rede, ohne etwas zu sagen-Interview“ in den Nachrichten reichen. Nein, irgendwann einmal soll Berti Landminen entfernen. Das ist vielleicht nicht so spaßig wie Schnick schnack schnuck – aber unermeßlich viel sinnvoller, finde ich.

Sinnvolles finden Sie auch, wenn Sie heute oder in den nächsten Tagen zur Cebit nach Hannover reisen: Grüne IT-Lösungen, Rechner, die aussehen wie Tastaturen oder etwa Navigationssysteme, die Staus verhindern sollen. Berti werden Sie dort nicht treffen. Aber vielleicht können Sie ja Terminator-Darsteller Arnold Schwarzenegger zum Schnick schnack schnuck überreden. Der dürfte über jede Gelegenheit froh sein, nicht über die desaströse Finanzlage des von ihm regierten US-Bundesstaats Kalifornien sprechen zu müssen.

Über die Finanzlage ihrer Unternehmens sollen Aufsichtsräte börsennotierter Firmen künftig häufiger sprechen – finden jedenfalls SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Sie haben ihre Vorstellungen aufgeschrieben, wie Managergehälter beschränkt werden sollen. Mit ihren Vorschlägen gehen sie weit über die von der Regierungskoalition diskutierten Pläne hinaus. Ginge es nach Steinbrück und Steinmeier, müssten Aufsichtsräte die Gehälter der Manager in ihrem Unternehmen herabsetzen, wenn die reale Geschäftslage des Unternehmens sich verschlechtert – unterlässt der Aufsichtsrat das, soll er schadensersatzpflichtig werden. Hierüber wird die Koalition wohl noch ein wenig streiten müssen.

Einig sind sich die Politiker aber wohl über die Forderung, dass Unternehmen Gehälter von mehr als einer Million Euro künftig nicht mehr von der Steuer absetzen können sollen. Dann würden die Gehälter schon von selbst sinken, erwarten sie. Und natürlich würde das Steueraufkommen steigen. Aber das nur am Rande.
aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 03.03.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Bauarbeiterhelm

über meinem Schreibtisch auf dem Regalbrett liegt ein gelber Bauarbeiterhelm. Ja, genau: aus Kunststoff und mit zweckmäßiger Plastik-Abfederung innen drin und außen ein paar merkwürdigen Nieten. Auf der Seite noch ein Logo, das mich an irgendwas mit Bergarbeitern erinnert.

Gut, es ist sicherlich nicht der modernste und formschönste Helm. Aber er erfüllt seinen Zweck: mich daran zu erinnern, auf den Arbeitsschutz zu achten.

Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, finden Sie?

Schließlich hantiere ich weder mit irgendwelchen bösen Chemikalien, noch laufe ich unter schwankenden Gerüsten hin und her oder arbeite an Maschinen, die mir die Finger einklemmen könnten.

Genau wie Sie wahrscheinlich auch, sitze ich die meiste Zeit am Schreibtisch und telefoniere, lese und schreibe E-Mails sowie kleinere und größere Artikel wie etwa diesen Newsletter. Gelegentlich besuche ich eine Pressekonferenz oder fahre für eine Werksbesichtigung oder ein Interview zu einem Unternehmen. Auch Kongresse und Messen suche ich auf.

Vor einiger Zeit stand in einem Fachmagazin für Journalisten mal ein Artikel über Arbeitsschutz in Redaktionen. Da stand drin, dass auch für Kopfarbeiter wie mich neben dem ergonomischen Arbeitsschutz ein psychologischer Arbeitsschutz sinnvoll ist. Der Artikel hat mich nachdenklich gemacht und war auch der Anlass, bei ebay den Helm zu ersteigern. Dachbodenfund. Denn auch ich arbeite wie die meisten Kollegen oft unter Zeitdruck und an der Auslastungsgrenze oder darüber hinaus. Und sitze daher bisweilen nachts am Computer – womöglich verschnupft.

Klar, leere Seiten abzuliefern, das geht nicht. Notfalls arbeite auch ich lieber angeschlagen, als nicht oder nicht rechtzeitig zu liefern. Andererseits lassen sich manche Aufträge im Notfall auch verschieben. Immerhin bin ich bereit, umzudisponieren, wenn ich kann. Das ist offenbar schon mal nicht die Regel.

Das habe ich vergangenes Wochenende wieder gesehen. Da war ich in Berlin und hatte ein Stadtmagazin aufgeschlagen. Das Editorial schilderte eindrucksvoll, wie bei der Produktion der betreffenden Ausgabe ein Redaktionsmitglied nach dem anderen schlapp gemacht hatte. „Höchstes gemessenes Fieber: 39,5“, stand da. Die Kollegen freuten sich über das hohe Maß an Kollegialität.

Und das sicherlich zurecht – nicht dass Sie mich da falsch verstehen.

Aber ich frage mich schon, ob es nicht sogar noch kollegialer gewesen wäre, wenn der erste fiebernde Kollege zuhause geblieben wäre und den übrigen Kollegen so erspart hätte, sich reihenweise anzustecken.

Ich als Freiberuflerin habe gut reden, werden Sie jetzt denken. Und da haben Sie ja auch wieder recht. Andererseits habe ich auch keinen Gesundheitsbeauftragten, der für gute Arbeitsbedingungen sorgt. Ich muss selbst darauf achten, dass die möglichst wenig auf Verschleiß angelegt sind.

Mein Bildschirmarbeitsplatz ist leidlich ergonomisch. Gelegentlich schaue ich aus dem Fenster. Ich esse und trinke regelmäßig und versuche, ausreichend zu schlafen. Sport gehört für mich ebenso zum Alltag, wie die ein oder andere Entspannungsübung. Kontakte zu Freunden und Familie pflege ich so gut es geht. Und meine Lesebrille für den Computer werde ich auch demnächst endlich reparieren lassen. Versprochen.

Mich daran auch zu erinnern, wenn es mal wieder richtig dicke kommt, dafür liegt der gelbe Helm in meinem Regal. Und erfüllt seinen Zweck. Meistens jedenfalls.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 19.02.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

 

Abwrackprämie

fangen Sie schon mal an zu horten. Ich persönlich werfe längst nichts mehr weg. Vielleicht kann ich ja eine Abwrackprämie dafür kassieren.

Das glauben Sie nicht? Wieso, könnte doch gut sein.

Die Abwrackprämie für Autos kommt jedenfalls super bei den Leuten an. Da prämiert der Handel nun offensichtlich die Vorschläge seiner Mitarbeiter, was sonst noch alles abwrackprämienwert wäre. Und da gibt es richtig gute Ideen.

Alte Kühlschränke und Fernseher brachten vor ein paar Wochen bei einer großen Elektronikhandelskette Geld ein. Und nun alte Koffer. Ob es wohl auch mein alter Reiserucksack tun würde? Oder die schon leicht schrottige Reisetasche? Weil, sonst müsste ich mir nämlich überlegen, ob sich das Abwracken wirklich lohnt. Denn die 150 Euro Kofferabwrackprämie müsste ich in einen neuen Koffer investieren, um die Reise für 2500 Euro antreten zu können, für deren Buchung ich das Geld bei einem Iserlohner Reisebüro bekäme. Darüber muss ich noch mal nachdenken.

Begutachte ich doch mal meine geliebte Schuhsammlung. Immerhin bringen auch Schuhe und Stiefel bei der ein oder anderen Schuhhandelskette – ja genau: Abwrackprämien.

Richtig viel Geld hätte ich wohl nebenher einnehmen können, wenn ich nicht schon vor drei Wochen mal wieder ausgemistet hätte. Da habe ich gut und gerne ein halbes Dutzend Tüten im Altkleidercontainer versenkt.

Hätte ich das mal bloß nicht gemacht!!

Dann hätte ich jetzt sicherlich eine Stange Geld an Kleiderabwrackprämie bei einer bekannten Modemarktkette verdient. Dafür hätte ich die Säcke nicht mal selbst in die Stadt schleifen müssen. Ich hätte sie so sogar online zum Abholen anmelden können und dafür meinen Abwrackprämiengutschein gleich ausdrucken können, um unbeschwert loszuziehen.

Schon toll, was die Konjunktur so alles ankurbelt, finden Sie nicht?

Gut, bei der Abwrackprämie für Autos gilt der wirtschaftliche Erfolg als bescheiden.

Klar, wenn vor allem ausländische Kleinwagenhersteller davon profitieren.

Aber vielleicht ist es ja nicht schlecht, beizeiten sein Geschäft um lohnenswertere Aktivitäten anzureichern. In der Entsorgungswirtschaft mit ihren üppigen Gewinnen findet sich sicher die ein oder andere Nische – das wäre doch vielleicht für das ein oder andere Handelsunternehmen bei den hierzulande hauchzarten Margen auch langfristig eine gute Verdienstmöglichkeit. Meinen Sie nicht?

Vielleicht würde das ja die ein oder andere Gesellschaft vor der drohenden Insolvenz bewahren. Die Insolvenzgeldumlage zahlen Sie dieses Jahr übrigens gleich doppelt. Warum und worauf Sie seit Jahresbeginn achten sollten, erfahren Sie in dieser Newsletterausgabe.
Ich harre jetzt der Abwrackprämie für Kaffeemaschinen und Wasserkocher – beide haben vor wenigen Tagen praktisch zeitgleich den Geist aufgegeben. In ausreichender Stückzahl halte ich auch angebrochene Cremes und Shampooflaschen vor. Man weiß ja nie. Und für den Fall dass mir demnächst mein Lieblings-Zeitungskiosk eine Altpapierabwrackprämie zahlt, lagere ich zur Freude unseres Hausmeisters vorsichtshalber schon mal ein paar Stapel und Tüten vor der Wohnungstür.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 17.02.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html