Hat die Stiko recht?

Die Stiko weigert sich, den für über 12-Jährige zugelassenen Impfstoff ihnen auch zu empfehlen. Das stellt Familien vor teils massive Probleme, den für ihre Kinder gewünschten Schutz zu bewerkstelligen. Mal allerhand Fakten zur Beurteilung der Frage: Ist die Stiko-Empfehlung wirklich sachgerecht?

Er will sie nicht mehr nur nicht impfen – jetzt will er sie auch nicht mal mehr testen: die Rede ist von Stiko-Chef Professor Dr. med. Thomas Mertens und den Kindern und Jugendlichen dieses Landes.

Für das Thema Kinderimpfung interessiere ich mich in eigener Sache. Ich habe ein noch ungeimpftes 11-jähriges Kind zuhause und es gibt einen für dieses Kind noch nicht, aber wohl bald zugelassenen Impfstoff, der den Impfzulassungsstudien zufolge sicher ist und Kinder und Jugendliche sogar noch zuverlässiger schützt, als Erwachsene. Ich würde mein Kind gern gegen Covid-19 durch eine Impfung schützen. Doch es sieht so aus, als würden die hierfür Verantwortlichen gar nicht dran denken, die für die Impfung meines Kindes und vieler anderer Kinder und Jugendlicher durchaus leider wohl nötige Empfehlung zu geben.

Über diese Nicht-Empfehlung durch die Stiko – also die Ständige Impfkommission (Stiko) wurde in den vergangenen Wochen viel geredet und – aus meiner Sicht zurecht – auch viel geschimpft. Ich trage hier ein paar Fakten zusammen, die zeigen, dass die Stiko leider entgegen ihrer Beschwichtigungen mehr als leichtfertig agiert.

(aktualisiert am: 03.08.2021)

Was hat die Stiko überhaupt zu melden?

Die Stiko ist beim RKI als eine von mehreren Kommissionen angesiedelt. Das RKI schreibt hierzu auf seiner Seite, die Empfehlungen beziehen sich auf Indikationen für Impfungen – und nicht auf Impfungen generell – und seien außerdem rechtlich unverbindlich.

Die Empfehlungen sind zwar unverbindlich. Doch die Mehrheit der Ärzte/Ärztinnen folgt den Empfehlungen. Auch ich habe mich schon an Empfehlungen der Stiko vor Auslandsreisen oder für die Impfungen meiner beiden Kinder orientiert und habe darin auch bis vor kurzem kein Problem gesehen. Das hat sich gründlich geändert.

Fehlende Stiko-Empfehlung verbaut den Weg zur zugelassenen Impfung

Wie viele andere Eltern auch, würde ich den Empfehlungen der Stiko diesmal gerne nicht folgen und stattdessen lieber auch mein jüngeres Kind vor den teils bekannten ernstzunehmenden Folgen wie auch den noch nicht ganz absehbaren und ebenfalls ernstzunehmenden Folgen Erkrankung auch für Kinder schützen.

Doch aufgrund der Stiko-Empfehlung ist dies für impfwillige Eltern oftmals nicht oder schwer möglich. Einige fahren hunderte Kilometer, um eine Gelegenheit hierfür wahrzunehmen.

Eine für vor den Ferien geplante Impfaktion an weiterführenden Schulen, über die ALLE Schüler und Schülerinnen ein Impfangebot sofort nach Zulassung des Impfstoffs – so lautete ein Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz – hätten erhalten sollen, wurde nicht weiter vorangetrieben. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass bereits vor der Zulassung des Impfstoffes nun auch für für die 12-bis 15-Jährigen an die Öffentlichkeit drang, dass die Stiko für diese Altersgruppe keine allgemeine Impfempfehlung geben würde. Was sie denn dann auch nicht getan hat und auch jetzt gerade wieder bekräftigt hat.

Anmerkung/Nachtrag 1./2.8.2021: Die hier zum Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 6.5.2021 verlinkten Seiten wurden zwischenzeitlich nachträglich geändert. Hier ist nun nicht mehr von „bis Ende der Sommerferien“ die Rede, sondern von „bis Ende August“ – selbst in dem Originalbeschluss sowie der Pressemitteilung von Mai, was ich persönlich reichlich merkwürdig finde. Aber gut: Es hatten damals korrekt verschiedene Medien berichtet, darunter BusinessInsider, T-Online, Yahoo-Finance oder auch etwa das Stadtteilmagazin MainRiedberg, sowie auch Schulen, hier und auch hier. Auch mir ist das Schreiben des hessischen Kultusministeriums als pdf-Datei über die Elternvertreter/innen der Schule zugegangen, in dem eine landesweite Schülerimpfaktion für den Fall der Zulassung des Impfstoffs durch die EMA angekündigt wurde. Mit Verweis auf den Beschluss der die sich auch in jedem Punkt inklusive Termin mit dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 6.5.21 deckte – der in seiner jetzigen Onlinefassung allerdings nun statt „vor Beginn der Sommerferien“ die Formulierung „bis Ende August“ enthält.

Hier auch das Schreiben des hessischen Kultusministeriums, das den Zeitplan und die Information belegt und auf das die Schulen vermutlich zuvor verlinkt hatten.

Keine Wahl für Kinder

Alle seriösen Expert/inn/en weisen darauf hin, dass wir nun die Wahlmöglichkeit haben, uns impfen zu lassen oder uns ungeschützt zu infizieren. Natürlich gilt dies auch für die Kinder, die in großteils bezüglich des Ansteckungsrisikos hochriskanten Umgebungen – teils sogar bereits jetzt oder demnächst geplant: ohne Masken am Platz – sitzen bzw. sitzen werden nach Ende der Ferien. Für ihre Kinder haben die meisten Familien derzeit diese Wahl also nicht.

Und das ist aus meiner Sicht als Mutter unzumutbar – zumal ja ein sicherer und wirksamer Impfstoff zugelassen ist und demnächst auch ausreichend verfügbar sein wird. Es gibt keinen guten Grund, Kinder nun zu durchseuchen. Das ist gesellschaftlich furchtbar und auch individuell aus meiner Sicht unzumutbar für die Kinder und ihre Familien.

Auch Kinder mit Risiken bekommen keine Impfung (mehr)

Die Stiko-Empfehlung führt nicht nur dazu, dass Eltern für ihre gesunden Kinder und Jugendlichen nun vielfach keinen Arzt finden, der ihr Kind impft. Selbst für viele vorerkrankte Kinder, die nach den bisherigen Priorisierungskriterien hätten geimpft werden können, hat sich die Lage durch die Stiko-Empfehlung verschlechtert.

Die Stiko hat fast alle der zuvor für eine Impfung gemäß Vorgabe des RKI und der Bundesregierung priorisierten Indikationen außer acht gelassen und nur eine Handvoll sehr ausgewählter Risiken für überhaupt impfbedürftig erklärt. So haben sogar nun manche über 16-Jährige, die bislang noch nicht geimpft waren, mit der Stiko-Empfehlung Schwierigkeit, jetzt noch einen impfwilligen Arzt zu finden, da die Stiko ihre Empfehlung auch auf die über 16-Jährigen ausgedehnt hat.

Die Stiko wägt falsche Tatsachen ab

Die Stiko erklärt zwar immer wieder, sie habe aufgrund wohl abgewogener Fakten entschieden. Doch das ist meiner Einschätzung nach nicht der Fall.

Fangen wir bei den abgewogenen Tatbestände selbst an: die Stiko wägt die falschen Alternativen gegeneinander ab: nämlich den Nutzen einer Impfung gegenüber dem Nutzen, nicht geimpft zu werden.

Tatsächlich müsste sie abwägen: das Risiko durch die Impfung gegen das Risiko, sich ungeimpft zu infizieren. Denn damit ist zu rechnen, dies zeigt auch die mir bislang einzige aussagekräftige deutsche Studie zur Ansteckungsgefahr in Schulen.

In der 3. Welle waren die Kinder und Jugendlichen die hauptsächlich von Ansteckungen betroffene Gruppe, auch davor immer mitbetroffen laut dieser RKI-Studie. Und in der nächsten Welle als zuletzt ungeimpfte Altersgruppe, wird sie wahrscheinlich wieder als einzige Altersgruppe von hohen Inzidenzen betroffen sein. Dass sich die aufgrund fehlender Empfehlung nicht geimpften Kinder nun ungeschützt anstecken werden, davon MUSS die Stiko ausgehen. Die Inzidenzen der Kinder und Jugendlichen lagen und liegen durchweg deutlich höher, als die allgemeine Inzidenz – auch jetzt noch. Wer mag, kann dies für seinen Kreis oder auch allgemein auf dieser interaktiven Karte nachvollziehen, deren Daten vom RKI täglich neu eingespeist werden.

Hinzu kommt, dass die Stiko dabei die Infektion mit den hierzulande mittlerweile praktisch ausschließlich kursierenden Varianten B117 sowie Delta (B1617 oder auch indische Variante) nicht mit einkalkuliert. Sie beruft sich auf Daten, die sich vorwiegend noch auf die insbesondere für Kinder harmlosere Wildvariante bezieht. Das ist aber nicht sachgerecht. Nicht nur sind die Varianten bei weitem ansteckender. Sie sind auch beide dafür bekannt, Kinder stärker zu gefährden. Das hat sich bei der B117-Welle in Großbritannien gezeigt. Das zeigt sich derzeit auch bei der Delta-Welle in Indien und auch wieder in Großbritannien.

Daten zur Impfung liegen ausreichend vor

Die Stiko erklärt, zur Sicherheit der Impfung lägen zu wenige Daten vor und verweist auf eine geringe Zahl von lediglich knapp über 1000 Impfprobanden. Tatsächlich nahmen allein an der im März gemeldeten zulassungsrelevanten Phase-3-Studie für Comirnaty, die mit 100 % eine bessere Wirksamkeit als bei Erwachsenen ergeben hat, 2260 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren teil. Weitere 564 Kinder im Alter von 5 bis 11 waren es zeitgleich in einer Phase 1-/2-/3-Studie, die derzeit ja für die Zulassung des Impfstoffs auch für die jüngeren Kinder laufen. Also allein bis März immerhin mindestens 1130 über 12-Jährige und 282 Kinder unter 12.

Und bei den laut Studie aufgeführten Impfnebenwirkungen handelt es sich um typische Impfnebenwirkungen, die harmlos (Schmerzen am Arm, Kopfschmerzen, Fieber) und auch leicht behandelbar sind. Für die Zulassung der Impfung gab dann auch am 27.05.2021 die EMA ihre Genehmigung.

Weltweit Millionen Kinder geimpft

Neben den Studien gibt es aber auch bereits millionenfache Erfahrung mit Impfungen dieser Altersgruppe. Völlig außer Acht lässt die Stiko die Erfahrungen in den USA, wo allein in den ersten drei Wochen nach Zulassung sechs Millionen Kinder und Jugendliche geimpft wurden. Auch in anderen Ländern werden Kinder dieser Altersgruppe bereits seit Wochen geimpft.

Wie den diversen Medienberichten über verdächtige Nebenwirkungen zu entnehmen ist, wurde und wird auch genau darauf geachtet, welche Impfreaktionen auftreten. Diese werden auch publik, wie man an den Berichten ablesen kann. Über bloße Impfreaktionen hinaus ist nichts über nachweislich durch die Impfung ausgelöste Folgeschäden bekannt.

Die durch die Impfung mit Comirnaty in seltenen Fällen aufgetretenen Herzmuskelentzündungen sind gut behandelbar. Und vor allem: Durch die Erkrankung selbst wird genau diese Herzmuskelentzündung noch viel häufiger hervorgerufen, als durch eine Impfung. Und der wichtige Punkt bei einer Impfung: Selbst in diesem einen Fall von Nebenwirkung ist das Risiko durch die Impfung geringer als durch die Krankheit.

Von weiteren Folgeschäden ist trotz mittlerweile hundertmillionenfach weltweit verimpfter Dosen nichts bekannt. Und wie die in der Stiko sitzenden Expert/inn/en wissen müssten, ist auch nicht mit mysteriösen Folgeschäden viel später irgendwann noch mal zu rechnen. Wie mittlerweile im Zuge der Impfdiskussion auch außerhalb der Fachkreise bekannt sein dürfte, treten solche nämlich bei Impfungen ausnahmslos unmittelbar nach der Impfung auf, also innerhalb von Wochen. Nie in der Geschichte der Impfungen ist es anders gewesen.

Kein Interesse an Daten spürbar

Und obwohl auch weiterhin Kinder weltweit geimpft werden, hat die Stiko ihre Nicht-Empfehlung nun noch mal bekräftigt – ohne hierfür die Daten von über 6 Millionen allein in den USA unter bestens kontrollierten und öffentlich aufmerksam verfolgten Bedingungen geimpften Kindern zu berücksichtigen. Die Impfkampagne für die 12- bis 15-Jährigen begann dort am 10. Mai 2021. Von 6 Millionen Kindern könnte man also Daten und Erfahrungswerte über einen hinsichtlich der Sicherheit der Impfung für Kinder aussagekräftigen Zeitraum erfragen. Man will es offenbar gar nicht erst. Dabei wäre dieses Bemühen, den eigenen Informationsstand zu verbessern, das Mindeste, was angesichts der Pandemie und der bevorstehenden Delta-Welle von einer verantwortungsbewusst agierenden Fachkommission zu erwarten wäre. Insbesondere mit Blick auf die Wirkung ihrer eben faktisch eben leider nicht nur unverbindlichen Empfehlung.

Der Nutzen der Impfung auch ausdrücklich für die Kinder selbst ist unter meiner Einschätzung nach vertrauenswürdigen Medizinern völlig unumstritten. Viele kritisieren die Stiko-Empfehlung daher auch teils öffentlich harsch, auf Twitter äußern sich zahlreiche Ärzte und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen öffentlich. Zu vernehmen ist, dass viele Mediziner ihre eigenen Kinder auch teils jüngeren Alters bereits impfen oder haben impfen lassen. Und das hat einen ganz einfachen Grund: die mögliche Schwere der Erkrankung auch für Kinder.

Die Fakten zu Covid-19 bei Kindern

Die Impfung schützt Kinder den Studien zufolge ausgesprochen gut – besser noch als geimpfte Erwachsene – und sie schadet ihnen den umfassenden ersten Erkenntnissen nicht. Wie sieht es nun mit ihrem persönlichen Nutzen aus – brauchen sie den Schutz? Meine Antwort und die Antwort auch zahlreicher Mediziner sowie Eltern: Ja, klar.

Die Stiko erweckt nur den Anschein einer wohlabgewogenen Entscheidung. Stiko-Chef Prof. Dr. Thomas Mertens behauptet meiner Einschätzung nach fälschlich, zu wenige Daten über die Folgen der Erkrankung bei Kindern zu haben, beispielsweise zu Long-Covid. „Dazu gibt es einfach noch zuwenige Daten“, sagte Stiko-Chef Mertens mehrfach.

Aber das stimmt nicht! Es gibt bereits eine sehr umfassende Menge an guten Studien zu den Folgen einer Erkrankung – auch für Kinder.

Risiko 1 für schwere Verläufe: Long-Covid

Die Liste aller weltweit wissenschaftlich nach allen Regeln der Kunst veröffentlichten Studien zum Thema Long-Covid bei Kindern umfasst 34 wissenschaftliche Publikationen bei Pubmed, unter anderem aus den USA, Israel, Großbritannien und auch den Niederlanden. Diese erwähnt die Stiko mit keinem Wort. Wenn sie sie kennt, unterschlägt sie deren Ergebnisse – als mit Risikoeinschätzung beauftragte Kommission treuwidrig.

Die Stiko ignoriert auch, dass es in Deutschland bereits 2 Reha-Kliniken für Kinder mit Long-Covid gibt: In Jena und München. Auch diese haben Informationen und Erkenntnisse über die Verläufe von Covid-19-Infektionen bei Kindern und berichten auch darüber. Auch dies ignoriert die Stiko und behauptet, es gäbe diese Erkenntnisse nicht. Dabei wäre es ihre Pflicht, sich auf der Suche nach validen Daten zur Beurteilung einer sinnvollen Impfempfehlung unbedingt nötig.

Risiko 2 für schwere Verläufe: PIMS

Über das zweite bekannte Großrisiko für einen schweren Verlauf bei Kindern, PIMS, behauptet die Stiko einerseits man wisse soviel noch nicht, und dass die Zahlen gering seien. Hierfür hat Meyer in einem Fernsehinterview ausdrücklich auf das PIMS Survey der DGPI verwiesen. Diese jedoch – Mail als Beleg anbei – hat auf meine Anfrage hin erklärt, sie erhebt die Zahlen erst nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Für die Verarbeitung der Daten brauchte die DGPI zu dem Zeitpunkt fast zwei Wochen. Im Krankenhaus halten sich die Kinder im Schnitt wohl etwa 2 Wochen auf, es können auch mehr sein. Nach Infektion mit Sars-Cov-2 hat es davor bis zum Ausbruch von PIMS im Schnitt 2 bis 6 Wochen gedauert.

Das PIMS Survey weist also eine gewaltige Meldelücke von mindestens 2 Monaten auf. Und über diese ist die Stiko informiert. Denn ich habe vor der Empfehlung durch die Stiko dieser eine entsprechenden Hinweis übermittelt.

Immerhin fehlen ja durch diese Besonderheit der Datenerhebung Daten für die 3. Welle sicher fast komplett. Zumindest zum Zeitpunkt der Empfehlung KANN die 3. Welle sich in ihren Auswirkungen auf Hospitalisierungen der Kinder mit PIMS noch gar nicht ausgewirkt haben. Doch war dies ja die Welle, die Kinder zahlenmäßig in so starkem Auswei betroffen hatte – es war ja die Altersgruppe mit den höchsten Inzidenzen. Ein Umstand, auf den keiner der vor der Empfehlung sich äußernden Funktionäre auch etwa von Ärzteverbänden oder auch -Kammern sich geäußert hat. Daher schien mir dieser Hinweis sinnvoll.

Denn so veraltet – wenn auch durchaus detailliert und aufschlussreich über die Details und Art der Erkrankung – die deutschen Daten aus dem PIMS Survey der DGPI sind, so gut ist wiederum die Studienlage weltweit, mit 141 wissenschaftlichen Publikationen sogar noch bedeutend besser als die zu Long-Covid, bei Pubmed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=pims+covid

Unerklärt: Wieso werden in Deutschland zig Kinder wöchentlich hospitalisiert?

Auch die Hospitalisierungszahlen der Kinder sprechen eine deutliche Sprache: Laut RKI-Situationsberichten lagen die in den vergangenen Monaten nie unter 20 Kindern pro Woche, über Monate hinweg waren es jeweils wöchentlich 40 bis 50 Kinder mehr im Krankenhaus laut RKI, vergangene Woche 40, diese 20. Dies ließ sich bis Mitte Juli sich sehr leicht über die RKI-Lageberichte nachhalten, die Zahl wurde dort täglich aktualisiert.

Nun gibt es einen wöchentlichen Lagebericht, der stets Donnerstags nachmittags zusätzlich zu den nun kürzeren täglichen Situationsberichten erscheint. Im Zuge der Änderung bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass die zuvor erwähnte Zahl nur die offiziell den Schulen zugerechneten Infizierten auf Basis des Infektionsschutzgesetzes abbildete. Die vollständige Zahl der Hospitalisierten Kinder und Jugendlichen findet sich dagegen hier – und liegt höher. Von den (Stand 29.07.2021) insgesamt 85.678 hospitalisierten Covid-19-Patient/inn/en waren 2493 unter vier Jahre alt, 2152 Hospitalisierte waren zwischen fünf und 14 Jahren. Weitere 21.135 Hospitalisierte waren zwischen 15 und 34 Jahre alt – seit Beginn der Pandemie, also seit Kalenderwoche 10/2020. Insgesamt also 4645 unter 14-Jährige seit Beginn der Pandemie. Für die Kinder und Jugendliche gibt das RKI den Anteil der Hospitalisierten an den Infizierten stets mit 1% an. Insgesamt sind es 5%.

Klar ist aus Großbritannien und auch Israel laut Presseberichten und Aussgen von Wissenschaftler/innen: Die britische Variante löst häufiger PIMS aus, als die vorherige Wildvariante – in Großbritannien gingen zu Spitzenzeiten damit an die 50 Kinder ins Krankenhaus, desgleichen in Israel. Bei der indischen Deltavariante soll dies nun nochmal etwas stärker so sein, wie aus Indien und Singapur berichtet wird. Die Wissenschaftler warnen vor den Kinder gravierenden Folgen – beispielsweise vor häufiger Ertaubung oder Schwerhörigkeit, eine ganz klar feststellbare und den Alltag und das weitere Leben in starkem Maß beeinträchtigende Körperverletzung.

Außer Acht: bekannte Einzelrisiken

Und dann gibt es noch einige bereits bekannte Einzelrisiken für Kinder, die aus der Infektion mit Sars-Cov-2 erwachsen, von denen auch in Deutschland längst breiter berichtet wurde.

  • Diabetes Typ 1 gilt schon lange als Risiko für Kinder und Jugendliche. Nun weiß man sogar, dass die Gefahr durch diesen Virus sogar noch viel größer sind, als durch andere Viren, die auch Diabetes auslösen können, aufgrund Autoimmunreaktionen. Das weiß man schon seit fast einem Jahr. Dass Covid-19 die Inselzellen sogar direkt angreift hierzulande spätestens seit Juni 2021.
  • Von Hirnschäden berichtete die WHO bereits vor Monaten. Jeder 10. Covid-19-Erkrankte hat laut aktueller WHO-Mitteilung Spätfolgen von im Schnitt 12 Wochen. Und das Virus verbleibt im Gehirn und kann reaktiviert werden, ebenfalls laut WHO. Auch für mich einer der Hauptgründe, die Kinder vor Infektion zu schützen. Was da im Hirn – ein wirklich bekanntes Folgerisiko der Erkrankung und bekanntlich auch für Kinder und Jugendliche – genau passiert, zeit sich nun laut einer Preprint-Studie aus Großbritannien etwas genauer. Brain Scans vor und nach #COVID19 Infektion bei 394 Personen (davon 379 nicht hospitalisiert) zeigen Abnahme der grauen Substanz in verschiedenen Bereichen des Gehirns, die wichtig sind für Gedächtnis, Emotionen und Entscheidungsfindung. Und genau wie Masern kann auch Covid-19 schwere Hirnentzündungen auslösen, wie die Ludwigs-Maximilian-Universität in München meldete.
  • Das für Besorgnis sorgende Risiko einer Herzmuskelentzündung ist für unter 20 Jährige bei einer Infektion mit COVID 19 aber ganze sechs Mal so hoch wie nach der Impfung, wie eine Preprint-Studie zeigt. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.07.23.21260998v1
  • Auch die Sehfähigkeit wird beeinträchtigt, über die Nerven und das Hirn sowie auch über die sich verschlechternde Durchblutung
  • Die Häufung von Mikrothrombosen auch bei Kindern nach äußerlich anscheinend leichten wie auch offensichtlich schwereren Verläufen ist hierzulande mittlerweile seit Ende 2020 bekannt. Sie kann noch nach Jahrn zum Tod oder dem Verlust von Organen beispielsweise der Nieren und damit lebenslanger Dialyse führen, ebenfalls also eine schwere Körperverletzung nach sich ziehen.

Noch unbekannt ist das Risiko für spätere Folgeschäden, die aber aufgrund der Charakteristika des Virus in Erwägung zu ziehen sind. Diese können dadurch entstehen können, dass Covid-19 ins Gehirn eindringen und dort auch ein Leben lang verbleiben kann. In diesem Punkt ähnelt Sars-Cov-2 dem Erreger von Masern, der noch Jahre oder gar Jahrzehnte später eine Gehirnentzündung hervorrufen kann, die oft tödlich ist und wie bei Masern auch noch nach Jahren auftreten kann. Und auch Herpesviren können ins Gehirn vordringen und stehen im Verdacht, für spätere Demenzerkrankungen verantwortlich zu sein. Auch Parkinson löst die Infektion mit Sars-Cov-2 vermutlich aus.

Auch dieses Risiko ist nach einer Infektion mit Sars-Cov-2 ohne einen grundlegenden Immunschutz, beispielsweise durch eine Impfung, also nicht auszuschließen – wird aber von der Stiko ebenfalls ignoriert.

Schäden auch sozial und wirtschaftlich

Nicht geimpft werden zu können aufgrund der fehlenden Empfehlung, die im übrigen aus meiner Sicht zu Unrecht auch zahlreiche eigentlich impfwillige Eltern verunsichert, schadet den jungen Menschen aber nicht nur gesundheitlich in voraussichtlich zigtausenden Fällen fürs gesamte Leben – Folgeerkrankungen wie Diabetes oder auch Folgen von Mikrothrombosen oder PIMS sind ja nicht reversibel (7% aller Fälle laut DGPI – und Drosten veranschlagt mindestens 1 von 1000 infizierten Kindern, die PIMS bekommen).

Zum unnötigen gesundheitlichen Leid kommt noch hinzu, dass die ungeschützte Erkrankung mit Covid-19 auch in jungen Jahren Lebenschancen wie etwa Berufswünsche verbauen kann: Für manche Berufe kommen dann ehemals gesunde Kinder nicht mehr in Frage. Und auch wirtschaftlich kann sich eine Infektion unabhängig in nicht mehr erhältlichem Versicherungsschutz niederschlagen. Auch das ist eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmtheit und vermutlich dank eingeschränkter Mittel dann auch der Gesundheit auf anderem Gebiet. Zumindest einige Ausschlüsse beim Schutz sind für mit Covid-19 vorerkrankte Kinder und Jugendliche zu erwarten. Neben der Körperverletzung tritt also auch eine nachhaltige Schädigung des Vermögens und Eigentums der Kinder auf, die durch Unterlassen der Impfungen ebenfalls verursacht werden würde.

Die Stiko pusht in Richtung Durchseuchung

Die Stiko wägt stets ab zwischen dem Risiko der Impfung und dem Nicht-Impfen. Mit Blick auf die unausweichlichen Fakten müsste die Stiko aber abwägen das Risiko durch die Impfung gegen das Risiko der geimpften oder alternativ ungeimpften Infektion. Denn klar ist ja – und dies sagen alle Experten auch so: Die Alternative in den nächsten Monaten ist die Impfung oder ungeschützte Infektion. Und dies gilt in besonders hohem Maß für die Kinder, für die bereits mancherorts die Maskenpflicht am Platz entfallen ist, was im anstehenden neuen Schuljahr auch zumindest anfangs – dies zeigen die Erfahrungen mit dem Umgang mit Sicherheit in Schulen – noch weiter gelockert werden dürfte. Stiko-Chef Meyer ist dies sehr wohl bewusst. Er hat in Nachrichteninterviews auch klar gesagt, dass die Infektion der Kinder ohne Impfschutz dann die Konsequenz sein wird, die man in Kauf nehmen könne.

Die Stiko-Experten und ihr Chef Professor Mertens betonen stets, Kinder müssten um ihres eigenen Schutzes willen geimpft werden – und nicht wegen ihres Beitrags für eine Herdenimmunisierung. Dies ist von einer Stiko, die Impfstoffe auch aus Volksgesundheitsgründen empfiehlt, schonmal an sich zumindest merkwürdig. Immerhin empfiehlt die Kommission ja auch Impfungen wie Masern oder auch beispielsweise die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs auch für Jungen.

Stiko-Chef Mertens äußert nicht nur die Auffassung, man könne die Kinder sich einfach durchseuchen lassen und so ihren Beitrag zur Herdenimmunisierung leisten. Er sagte auch in einem Nachrichteninterview, das könne man auch ruhig hinnehmen. Dabei zeigen selbst die hierzulande vergleichsweise spärlichen Daten, dass die Erkrankung nachweislich bedeutend schlimmere Folgen für Kinder hat, als die Impfung. Das gilt umso mehr noch für Varianten wie B117 oder auch Delta.

So klar ist die Datenlage längst selbst aufgrund allein deutscher Daten.

Vor allem aber ist die Herdenimmunisierung durch Infektion allein für Covid-19 als Strategie wissenschaftlich längst verworfen worden. Diese Frage wurde im Lauf der Pandemie bereits mehrfach ernsthaft diskutiert – und sie wurde als Option verworfen. Sie ist hochgradig unethisch. Und vor allem: Sie funktioniert auch nicht, dies zeigen Länder wie Brasilien, Südafrika oder auch Großbritannien. Ein hoher Durchseuchungsgrad befördert nachweislich Fluchtmutationen, die dann vorherigen Immunschutz durchbrechen. CNN bezeichnet es gar als „Variantenfabriken. Etwas Ähnliches gilt vermutlich analog auch für Länder mit einem hohen Anteil an durch Impfung teilimmunisierten Personen, in denen viele Neuansteckungen zugelassen werden – also das Virus häufig an Personen unterschiedlichster Immunlage weitergegeben wird. Der Weg der Durchseuchung ist also weder etwas für eine ungeimpfte noch für eine nur teilgeimpfte Gesellschaft. Die Durchseuchung der Kinder ist nach Auffassung seriöser Forscher – Virolog/innen wie Epidemiolog/innen wie Brinkmann und Lauterbach und auch RKI-Chef Wieler zufolge – KEINE Option.

An dieser Stelle setzt sich also die Stiko klar GEGEN den Stand der zumindest seriösen Forschung für Durchseuchung der Kinder ein. Und dies tut Stiko-Chef Mertens nicht nur durch Verweigern der leider zwar unverbindlichen, aber insgesamt doch nötigen Impfempfehlung. Stiko-Chef Mertens setzt sich darüber hinaus nun sogar aktiv dafür ein, dass die Eindämmungsmaßnahmen in Klassen aufgegeben werden.

Sieht also ganz so aus, als stünde mehr Absicht dahinter als nur die, auf „bessere Daten“ warten zu wollen.

Und das ist nicht in Ordnung.

Midia Nuri

Keine Pillen, lieber chillen gegen den Messestress

Hirndoping liegt im Trend, ist aber gefährlich – vor allem für die Gesundheit. Daher sollten Sie auch zu Messestresszeiten die Finger davon lassen. Besser, Sie dopen ganz natürlich. Das geht auch.

Die Versuchung, sich mit mehr als nur Kaffee zu dopen, ist schon im normalen Betriebsalltag groß: hier die aufreibende Telefonkonferenz, da der Geschäftstermin und dort die Vorbereitung von Steuererklärung und / oder Bilanz. Von der neuen Telefonanlage und dem IT-Crash ganz zu schweigen. Eine Messe wie die Cebit setzt dem in Sachen Stress noch einen obendrauf – vor allem wenn Sie als Aussteller oder Besucher die gesamte Zeit dort verbringen und womöglich noch abends Termine anhängen. So spannend und unterhaltsam die Zeit auch immer sein mag – Messen machen Stress. Das weiß ich noch aus Studentenzeiten, in denen ich regelmäßig auf Messen gearbeitet habe.

Ströme von Alkohol, Berge von Pillen

Und die Leute dopen. Hochrangige Politiker wie Volker Beck, der mit Crystal Meth erwischt wurde und deshalb von seinen Ämtern zurücktrat. Eine – zumindest vermeintlich – ganz auf Leistungssteigerung ausgerichtete Droge, wie bei der Gelegenheit im Deutschlandradio zu hören und lesen war. Gängiger sind aber noch andere Mittelchen: neben Pillen und der ein oder anderen harten Droge ist da natürlich auch noch die Volksdroge Nummer eins: der Alkohol, der während und nach der Messe ebenfalls in größeren Strömen fließt als sonst.

Den verantwortungsvollen Umgang mit Drogen jeder Art haben Führungskräfte zwar offenbar besser drauf, als ihre Mitarbeiter: Sie neigen weniger zu Doping, als Angestellte in rangniedrigeren Positionen, zeigt – trotz insgesamt steigender Zahlen in dieser Hinsicht – die aktuelle DAK-Gesundheitsstudie. Dennoch ist es auch für Unternehmer ein Thema – generell und auch auf Messen. Und die Sache ist klar: Jede Droge hat ihren gesundheitlichen Preis. Und die Leistungskurve sinkt meist auch nach kurzer Zeit, so dass Konsumenten die Dosis steigern müssen.

Lieber chillen: Meditation hilft

Besser also, Sie lassen auch und gerade in Stresszeiten wie der Cebit die Finger davon, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern. Nicht wenige Suchtkarrieren haben so angefangen. Am besten ist, Sie nehmen keine Pillen, sondern chillen. Link 7 Wie Sie sich anderweitig Ausgleich verschaffen, dafür konnten Sie ja auch schon Anregungen hier im Blog lesen.

Nachweislich hilfreich in jeder Hinsicht ist Meditation. Die bekommen Sie auch ohne große Verrenkungen hin – und das sogar innerhalb einer Minute, wie dieses kurze Erklärvideo zeigt – sehr empfehlenswert übrigens für den Alltag: Ich habe es ausprobiert. Diese Kurzmeditation können Sie morgens oder abends im Hotelzimmer machen, auf dem Weg zur Messe oder auch mal zwischendurch.

Eine gute und dazu noch entspannte Messe wünsche ich Ihnen.

Dieser Artikel erschien im TRIALOG-Unternehmerblog (heute TRIALOG Magazin) am 10. März 2016.

Leichte Massage und ein Spaziergang wirken Wunder

Ein langer Messetag kann einem ganz schön die Glieder verspannen. Hilft das Chillen im Massagestuhl oder die Nackenmassage am Stand? Ein Interview mit Physiotherapeutin Ute Merz. (Das Interview von März 2015)

TRIALOG: Nach drei oder vier Messetagen sind Nacken und Füße verspannt. Auf der Messe stehen hier und da Massagestühle herum – bringen die etwas oder sind sie bestenfalls ein angenehmer Zeitvertreib?

Merz: Wenn man keine Vorerkrankungen wie Bandscheibenschäden oder bereits länger anhaltende Beschwerden am Bewegungsapparat hat, kann eine Massage zur Entspannung durchaus beitragen. Warum dann nicht kurz mal die Füße hochlegen und einen der Massagestühle ausprobieren? Ob es tatsächlich hilft, merkt man erst danach.

TRIALOG: Wie steht es mit einer Adhoc-Nackenmassage, wie sie ja teils am Stand oder im Hotel angeboten wird? Oder mit einem Besuch im Wellness-Massagesalon nach der Messe? Ist so etwas hilfreich?

Merz: Hier gilt das gleiche wie bei den Massagestühlen. Es spricht nichts dagegen, sich und seinem Körper Entspannung zu gönnen. Aber natürlich sollten Sie auch diesen Service nur dann nutzen, wenn Sie keine Vorerkrankungen haben, sondern wirklich nur verspannte Muskeln lockern lassen möchten. Dann ist es eine Wellnessbehandlung, die immer schmerzfrei sein muss.

Wer gesund ist, kann sich das Angebot aussuchen

TRIALOG: Der Masseur sollte also genau wissen, was er tut – wie erkenne ich denn als Laie, ob jemand qualifiziert genug ist, dass ich ihn an meinen Nacken lassen sollte?

Merz: Grundsätzlich sollte derjenige, der die Massage durchführt, unbedingt über ausreichende Qualifikationen als Masseur oder Physiotherapeut verfügen. Danach sollten Sie fragen oder, wenn Sie die Räume betreten, einen Blick auf die Zertifikate an der Wand werfen. Und wie gesagt: Während einer solchen Wellness-Behandlung sollen keine Schmerzen auftreten – auch das wäre ein klares Alarmsignal und auch Grund, die Behandlung vorsichtshalber lieber abzubrechen.

TRIALOG: Gibt es grundsätzlich harmlosere Arten von Massagen – Angebote, bei denen die Gefahr, dass es schadet, geringer ist als bei anderen? Zum Beispiel gelten ja Shiatsu oder Ayurveda eher als sanft im Gegensatz zu Thai-Massage oder der Tuina-Akupressur, die als intensiver gelten – gibt es hier etwas zu beachten?

Merz: Wenn Sie keine echten Probleme haben, können Sie sich das Angebot aussuchen, das Ihnen am ehesten behagt. Da sind der persönliche Eindruck und das Wohlbefinden bei der Massage eigentlich das einzige Kriterium. Einen gut qualifizierten Masseur vorausgesetzt, können Sie als gesunder Mensch nicht viel falsch machen.

TRIALOG: Was würden Sie Messebesuchern mit Vorerkrankungen oder auch immer wieder auftretenden Schmerzen raten? Gerade auf Messen dürften sich deren Beschwerden ja ebenfalls verschlimmern?

Merz: Menschen, die bereits Beschwerden haben, ist von einer Adhoc-Massage eher abzuraten. Diese Menschen sollten lieber auf aktive Entspannungstechniken zurückgreifen, von denen sie sicher wissen, dass sie den gewünschten Erfolg bringen: Das können zum Beispiel Lockerungsübungen für die Bein-, Nacken- und Rumpfmuskulatur sein oder spezielle Dehnübungen. Ich empfehle Menschen mit Vorerkrankungen schon vor solchen Messewochen mit ihrem Physiotherapeuten darüber zu sprechen. Dann kann der Therapeut individuelle Maßnahmen zusammenstellen, die nach einem Messetag für körperlichen Ausgleich sorgen.

TRIALOG: Was für Maßnahmen könnten das sein?

Merz: Das ist individuell und hängt von der Vorerkrankung ab. Meistens sind es Übungen, die einem auch im normalen Alltag helfen, Beschwerden zu lindern oder gar zu beseitigen. Diese haben die Betroffenen meistens im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung mit dem Therapeuten erarbeitet und geübt.  Grundsätzlich sollten sich auch für gesunde Menschen solche Ausgleichmaßnahmen nicht – in Anführungszeichen nur – auf Massage beschränken, sondern körperliche und seelische Entspannung bieten. Das kann und sollte also gern auch ein bisschen Bewegung an der frischen Luft beinhalten oder abends Schwimmen im Hotel. Eine aktive Entspannung, die neben dem körperlichen Wohlbefinden auch den Kopf frei macht, ist nach einem langen Messetag das Beste. Gegen eine leichte Massage ist also unter den oben genannten Voraussetzungen nichts einzuwenden. Aber gerade Bewegung bringt Körper und Geist nach einem langen Messetag wieder in Schwung und weckt die Lebensgeister. Meistens fehlt ja auf Messen ausreichend Tageslicht, und die Ernährung kommt auch zu kurz. Also ruhig auch ein Spaziergang und ein leichtes Abendessen in entspannender Atmosphäre.

Vita

Ute Merz ist Physiotherapeutin und Sprecherin des Deutschen Verbands für Physiotherapie (ZVK) e.V. in Köln Link 1, der sich als Interessensverband seiner angestellten und freiberuflichen Mitglieder für hohe Ausbildungs- und Qualitätsstandards und damit qualitativ hochwertige Patientenversorgung einsetzt.

Das Interview ist am 15. März 2015 im TRIALOG-Unternehmerblog (heute: TRIALOG Magazin) erschienen.

kontraintuitiv

Einer meiner Lieblingsbegriffe lautet „kontraintuitiv“. Das ist, Sie ahnen es: wenn Dinge nicht so sind, wie wir intuitiv annehmen würden. Kommt ganz oft vor in der Sozialpsychologie, die Teil meines Studiums der Diplompädagogik vor Jahren mal war. Stammt, wenn ich es richtig sehe, ursprünglich aus dem Fachbereich Philosophie und ist auch in der Soziologie offenbar nicht ganz selten, zumindest laut Google.

Dinge, die nicht so sind, wie man so denkt, werden in allen Disziplinen vorkommen, in denen Menschen denken – oder besser: Annahmen treffen und dann vielleicht denken, forschen und wieder denken. Nehme ich an. Ganz häufig offenbar auch in der Biologie. Zumindest habe ich aus diesem Bereich in den vergangenen Wochen einige kontraintuitive Nachrichten gelesen.

Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass sich Wölfe kooperativer und toleranter verhalten, als Hunde? Steht im Wissenschaftsblog I fucking love science. Hunde dagegen setzen instinktiv mehr auf Befehl und Gehorsam – also klare und bedingungslose Hierarchien.

Und wer ist wohl gefährlicher? Raubkatze oder Hauskatze? Raubkatze stimmt sicherlich mit Blick auf uns Menschen. Für ihre Beutetiere jedoch sind Hauskatzen weit gefährlicher. Während nämlich Raubkatzen nur dann auf die Jagd gehen, wenn sie hungrig sind und sich ansonsten nicht die Mühe machen, jagen die Samtpfötchen jedes auch nur irgendwie beutetierartige Tier oder Etwas, das ihnen so unterkommt. Weil es ihnen Spaß macht, steht in der Augustausgabe der Zeitschrift GEOlino, die meine bald zehnjährige Tochter regelmäßig liest. Mäuse fallen da also nicht nur dem Hunger zum Opfer, sondern auch dem Spieltrieb. 

Vor einiger Zeit habe ich mir mit Blick auf diese Art überraschend anmutender Nachrichten mal Gedanken drüber gemacht, was wir daraus für unsere Entscheidungen lernen können. Steht im TRIALOG-Unternehmerblog.

 

Donald Duck

Donald Duck wird heut 80. Aus Anlässen also:

Frau Nuri

wissen Sie, woran ich denken muss, wenn ich Donald Duck sehe? An Bananen.

Das kommt so. Als Kind – zweite, dritte Klasse ungefähr – habe ich gern die lustigen Taschenbücher gelesen. Mit Mickey Maus, aber lieber noch mit Donald und seinen Neffen. Einmal haben Tick, Trick und Track sich auf die Spur einer ganz besonderen Frucht gemacht: einer Banane mit vier Geschmacksrichtungen. An mehr erinnere ich mich nicht. Wahrscheinlich das übliche: pfiffige Neffen, tapsiger Onkel Donald, cholerischer Großonkel Dagobert, vielleicht noch die liebreizende Daisy oder der erfinderische Gustav Gans. Irgendsowas eben. Fasziniert hatte mich die Banane. Die sollte nach Banane, Erdbeer und zwei weiteren leckeren Obstsorten schmecken. Das habe ich mir himmlisch köstlich vorgestellt. Und gehofft, ich würde mal so eine leckere Banane erwischen. Mir sogar überlegt, ob man so was züchten kann.

Das ist jetzt eine ganze Weile her. Mein Verhältnis zu Bananen – gelegentlich esse ich sie gern…

Ursprünglichen Post anzeigen 373 weitere Wörter

Duck Soup

Ich mag Zufälle gern. Wenn Sie oder Du hier gelegentlich reinschaut, haben Sie das ja sicherlich schon gemerkt. Ich mag sie, wenn ich sie sehe und ich spiele auch gern mit ihnen, was zuweilen verblüffende Ergebnisse erzielt. Gestern habe ich gesehen, dass ein Text über Zufall rebloggt wurde. Vielen Dank Ralph Buttler, das freut mich sehr.

„Was für ein Zufall“, habe ich gedacht. War mir doch gerade erst gestern wieder so ein Zufall passiert. Sie müssen ja gar nicht viel bedeuten, diese Zufälle, manchmal sind sie einfach nur nett. Oder man hat sie noch nicht ganz verstanden, auch egal.

Vorgestern abend hatte ein lieber Facebook-Freund die Mirror-Scene von den Marx-Brothers gepostet. Groucho und Harpo. („Warum heißt das eigentlich Duck Soup?“, habe ich mich noch gefragt.) Hier die Szene.

Am nächsten Tag, gestern, bin ich hier bei uns in die Fasanerie, den Wildpark, sieben oder acht Autominuten entfernt, in dem ich gern möglichst wöchentlich vormittags trainieren gehe. Auf dem Weg rein saß eine dieser schönen großen Enten gleich vor mir. Deshalb bin ich stehen geblieben. Dann habe ich gesehen, dass die zweite Ente auf der Fensterbank saß. „Was macht sie denn da?“, habe ich mich noch gefragt, da fing sie schon an, mit ihrem Spiegelbild zu schnäbeln. „Sie macht die Mirror-Scene“, habe ich gedacht.

Zehn Minuten habe ich mir das angeschaut, dann bin ich gegangen. Sie war immer noch dran. Leider habe ich nach dem Training vergessen, mal nachzuschauen, ob sie schon fertig ist. Abends habe ich gesehen: „Duck Soup“ Was für ein Zufall, mal wieder. Diese Duck!

Meinen alten Text habe ich gestern nochmal gelesen. Er war damals einer meiner Lieblingseditorials, für die ich dieses Blog hier mal als Archiv und Ausgangspunkt für Neues angelegt hatte.

„Wie oft hat mich umgekehrt jemand, an den ich gerade gedacht habe, nicht angerufen?“, der Satz ist mir ins Auge gestochen. „Warum ruft er nicht an?“, habe ich mich heute gefragt. Warum will er, dass ich ihn anrufe und wenn ich es dann tue, legt er auf?

Oder ist das nur wieder eine dieser falschen Fragen an das Universum?

Ein paar Kniff und Tricks gegen den Messestress

CeBIT und auch andere Messen können einem ganz schön auf die Füße gehen. Manchmal tun auch Nacken oder Kopf nach einer Weile weh. Gut, dass man sich notfalls selbst mit wenigen Handgriffen Linderung verschaffen kann. Dauert auch nicht lange.

Ob als Aussteller oder Besucher – wenn Sie gerade auf der CeBIT sind, werden Ihre Füße abends wissen, was Sie geleistet haben. Auch wenn Sie den Tag in flachen Bequemtretern verbracht haben. Ich habe früher mal neben dem Studium viel auf Messen gearbeitet und weiß, wovon ich rede. Neulich habe ich mir nach einem anstrengenden Tag mal wieder die Füße massiert. Mit einer Schnellmethode, die ich während der ersten Schwangerschaft gelernt habe – einer Zeit, die einem ja ebenfalls sehr auf die Füße gehen kann. Hätte ich die Methode doch mal damals zu Messezeiten gekannt….

Sie hilft wunderbar und dauert keine fünf Minuten. Wenn es schnell gehen muss: zwei Minuten. Am besten gönnen Sie sich die Fußmassage nach Dusche oder Fußbad. Im Notfall geht es aber zwischen zweit Terminen ohne weiteres auch mal durch Socken oder Strumpfhose hindurch. Kein Problem. Sie brauchen auch nicht mit Öl herumzuhantieren, wie das in vielen Anleitungen erklärt ist – obwohl gerade bei den ausführlicheren Methoden sicher nicht schadet.

So lockern Sie Ihre Füße ganz leicht

Es ist ganz einfach: Legen Sie einfach den rechten Fuß vor sich auf Boden oder Oberschenkel und massieren mit dem Daumen sanft die Innenkante Ihres Fußes von der Ferse bis zum Großzeh. Zweimal sanft kreisend. Ein- und ausatmen nicht vergessen. Danach nehmen Sie sich jeden Zeh einzeln vor und rollen das jeweils letzte Zehenglied sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. Von groß nach klein. Ein oder zweimal, ganz nach Belieben und verfügbaren Zeit. Und danach nehmen Sie den Fuß in beide Hände und streichen und massieren sanft mit den Daumen die Fußsohle. Hören Sie einfach auf Ihr Gefühl, was angenehm ist. Es darf nicht schmerzen. Und vergessen Sie die Ferse nicht. Hier ist noch eine andere Anleitung für Sie.

Falls Sie tatsächlich zu den Mutigen gehören, die auf hohen Absätzen unterwegs sind, ist hier noch ein Trick. Von dem habe ich vor ein paar Jahren gelesen und er hat sich ebenfalls bewährt: Nach einer kurzen Fußmassage nehmen Sie den Vorderfuß vorsichtig so in die beiden Hände, als wollten Sie ein Handtuch auswringen. Und dann wringen Sie – aber bitte mit Gefühl – den Fuß leicht. Und das wiederholen Sie nun mit dem anderen Fuß. Das sollte über das Schlimmste hinweghelfen.

Weiter oben – Kopf und Nacken

Gegen Kopfschmerzen hat sich bei mir bewährt, die Schläfen zu massieren und die Nasenwurzel zwischen Daumen und Zeigefinger zu drücken. Und dann lockere ich immer noch die Schultern. So: Ziehen Sie die Schultern hoch und lassen Sie sie sinken. Legen Sie den Kopf vor und zurück, in den Nacken sowie nach links und rechts. Und schauen Sie anschließend auch links und rechts. Je drei bis vier mal. Hilft bei mir immer auch immer ganz gut.

Gegen verspannten Nacken massieren Sie einfach sanft mit der Hand den Nacken und die jeweils gegenüberliegende Schulter. Probieren Sie mal, ob es Ihnen hilft, das Schlüsselbein zu massieren und anschließend mit der flachen Hand erst die eine Schulterrückseite, dann die andere sanft zu klopfen – auch hier wieder: linke Hand auf rechter Schulter und umgekehrt – sowie anschließend den Nacken. Im Internet gibt es dafür auch  noch ausführlichere Anleitungen.

Schnell schnell: Okay – auf die Ohren

Aber wahrscheinlich haben Sie gerade wirklich wenig Zeit: Dann manchen Sie doch einfach nur zwei bis drei Minuten vielleicht die Füße und danach noch ein oder zwei Minuten Ohrenmassage. Der chinesischen Medizinlehre zufolge gilt eine Ohrenmassage als ähnlich wirksam wie eine Ganzkörpermassage, weil hier für praktisch jeden Körperteil ein Akupressurpunkt sitzt. Vorteil: Da können Sie auch zeitgleich an beiden Ohren hantieren. Einfach ein bisschen die Ohrläppchen kneten und zupfen und dann hoch und runter – ich gehe immer danach, was angenehm ist. Damit machen Sie nichts falsch. Hier ist aber auch für die Ohrmassage eine Anleitung zu finden.

Falls Sie aber doch abends mal Zeit finden und nach der Massage noch Lust haben: Machen Sie doch gleich noch ein paar Dehnungsübungen. Schultern locker vor- und zurückrollen kann nach einem Messetag nie schaden. Alle Gelenke nacheinander in Bewegung bringen und ein paar mal kreisen lassen. Strecken und recken auch zwischendurch sind sowieso immer gut.
Und falls Sie doch abends noch mehr Lust und Zeit dafür haben: Brigitte hat gleich mehrere Übungsreihen Yoga online gestellt. Da findet sich bestimmt auch etwas. Und falls es schneller gehen soll: Diese Büro-Yogaanleitung können Sie sogar in Ihrer Messekleidung befolgen.

erschienen in TRIALOG-Unternehmerblog 11. März 2014

Zufall

Neulich am Telefon, war ich mal wieder verwirrt.

Da rief mich eine freundliche Frauenstimme an und meldete sich mit „Trautmann“. Ich war verblüfft: „Frau Trautmann?“ Keine fünf Minuten zuvor hatte mir eine andere Frau Trautmann – ebenfalls sehr freundlich, aber ganz andere Stimme – ihren Rückruf für in etwa einer halben Stunde angekündigt.

Sie denken es sich sicher schon: Es war eine andere Frau Trautmann.

Damit hatte meine sich rasch legende Verwirrung denn auch schnell erklärt. Ob ich das Attachment habe öffnen können, fragte sie mich. Ich versuchte es und erklärte derweil, ich hätte das bislang offen gestanden noch nicht versucht, weil mir ja dankenswerterweise schon Herr Henning einen sehr ausführlichen Artikel mit den wichtigsten Infos geschickt habe. Es würde funktionieren – vielen Dank.

Nun merkte ich, dass Frau Trautmann verwirrt war. „Herr Henning?“ fragte sie mich, hörbar überrascht. Wie sich herausstellte, heißt Frau Trautmanns Azubi ebenfalls Henning – nur war das ein anderer Herr Henning als der, von dem ich gesprochen hatte…

Lustiger Zufall, finden Sie nicht auch?

Solche Telefonate mag ich gern. Und ich schwöre – ich habe es mir nicht ausgedacht! Würde ich auch gar nicht erst versuchen – viel zu konstruiert… Das wahre Leben ist eben besser, als jede Erfindung.

Auch und gerade in den kleinen und vielleicht wenig bedeutsamen Details. Zum Beispiel in dem, dass ich am selben Tag einen Krimi fertig gelesen hatte, in dem eine der großen wissenschaftlichen Theorien eine Rolle spielt, die Menschen sich ausdenken, um mit dem Phänomen Zufall zurechtzukommen: „Schilf“ von Juli Zeh. In den Fall sind zwei Physiker verwickelt – und eine Annahme, die Forscher als Viele-Welten-Theorie handeln. Die geht so: Es ist dermaßen unwahrscheinlich, dass es uns Menschen gibt, dass hierfür entweder ein höheres Wesen verantwortlich ist – „Gott würfelt nicht“, hat Albert Einstein ja auch mal erklärt – oder dass es ebenso viele Welten wie Möglichkeiten gibt – mit und ohne uns. Oder ganz viele Welten, in denen Sie und ich gerade nicht vor dem Computer sitzen, sondern woanders.

Der Zufall ist ja von jeher umso faszinierender, je unwahrscheinlicher er ist und je sinnvoller oder folgenreicher er aussieht. Ein bisschen hat das aber sicherlich auch mit Wahrnehmung zu tun, nehme ich an. Denken Sie mal an den Klassiker: Sie denken an jemanden und im Moment darauf ruft der Sie an. Klar, so was merke ich mir auch. Aber: Wie oft hat mich umgekehrt jemand, an den ich gerade gedacht habe, nicht angerufen? Oder hat mich jemand angerufen, an den ich nicht gedacht habe? Max Frisch sagte mal: „Es ist immer das fälligste, was einem zufällt.“

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 09.06.2009, http://www.bwr-media.de

33

vor ein paar Tagen ist ja der 33 Monate alte Orakel-Krake Paul gestorben (siehe Newsletterausgabe vom 28.10.).

33. Da war doch mal was mit der 33, habe ich mir da gedacht.

Gleich nach links zu der zwei Wochen alten Ausgabe des Kölner „Express“ gegriffen. Genau. Da war es. Am 14. Oktober gleich mehrere Seiten voll mit Artikeln über die Rettung der chilenischen Grubenkumpels, die einen Tag zuvor geglückt war. Hochdramatisch.
Wahrscheinlich erinnern Sie sich noch daran. Die Kumpels waren am 5. August in einem Kohleschacht in der chilenischen Atacama-Wüste verschüttet worden. Und am 13. Oktober waren sie wieder frei.

Unter der Überschrift „Die Magie der Zahl 33“ stand da, die Zahl 33 gebe den ohnehin wundergläubigen Chilenen Rätsel auf. Schon das Datum (13.10.10) ergebe die Zahl 33, berichtete die Boulevardzeitung da.

Solche Aussagen reizen mich doch gleich zum Nachrechnen. Berufskrankheit.

Ich kann nichts dafür. Wahrscheinlich, weil es so einfach ist. Und? Es stimmt, wenn sie 13 plus 10 plus 10 rechnen. Aber es stimmt nicht, wenn sie das Jahr ausschreiben (2010). Das ergibt dann 2033. Und wenn Sie einfach die Quersumme bilden (1 plus 3 plus 1 plus 1 – die Nullen ergeben schließlich null und nix), dann stimmt es auch nicht. Das ergibt 6. Gut: immerhin ist das wiederum die Quersumme von 33 …

Der Bohrer soll laut Bericht exakt 33 Tage gebraucht  haben, um den Rettungsschacht zu den 33 Verschütteten zu bohren. Ich habe mal gezählt. Egal wie – es gab offenbar zwei Bohrungen, die zweite mit mehr Erfolg: Ich komme wieder nicht auf 33. Wenn ich den ersten Versuch mitzähle, sind es bei mir 43 Tage. Wenn ich nur den zweiten Versuch rechne, immerhin noch 38 Tage. Jedenfalls nicht 33. Ob der Bohrer – Typ Schramm – mal pausiert hat? Oder die Zeitung die falschen Daten nennt? Das nachzuprüfen, die Mühe habe ich mir dann nicht gemacht.

Etwas einfaches: Die Botschaft der Kumpels („Estamos bien en el refugio – los 33“ – „Wir 33 im Schutzraum sind wohlauf“) bestehe mit Leerzeichen aus 33 Anschlägen, schrieb der Express. Dumm nur: Mein Programm zählt 35 Zeichen. Ich also gegoogelt. Da finden sich dann auch Varianten des Satzes ohne Bindestrich.

Das ergibt tatsächlich 33 Zeichen. Immerhin.

Aber ansonsten: Dumm gelaufen. Ich habe ja auch noch nie wirklich an so etwas, also Numerologie, geglaubt. Auch mit Astrologie tue ich mich ja schwer (siehe Newsletterausgabe vom 12.05.2009). Unterhaltend finde ich so etwas aber schon. Wirklich. Ich stelle mir vor, dass sich da sicher ein paar Leute über diese „Wahnsinnszufälle“ gefreut haben. Aber eben leider zu früh.

Allerdings kommt es wirklich nicht nur in Boulevardredaktionen vor, dass Kollegen einfachste Rechenübungen unterlassen, das muss ich zur Ehrenrettung der Kollegen schon sagen.

Trotzdem – als Finanzmensch wissen Sie ja selbst: Nicht nachrechnen ist ein Fehler.

Der Mann, der übrigens das Licht am Ende ausmachte, war ein Techniker, Manuel Gonzalez, wenn es stimmt, was der Express noch so schrieb. Er war der erste von fünf Helfern, die an dem großen Tag in die Grube heruntergelassen wurden. Und er war der letzte, der unten ausharrte, während die leere Rettungskapsel zu ihm herunterfuhr, stand da. Gefreut habe ich mich, dass die Kumpels zwar ihren Job los sein sollen, aber dafür angeblich millionenschwere Angebote für Film- und Buchprojekte sowie Exklusiv-Interviews bekommen haben. Ich hoffe, wenigstens das stimmt wirklich.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 02.11.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Kürbissuppe

neulich haben wir meinen Geburtstag nachgefeiert. Kleine Fete für groß und klein, mit Kuchen am Nachmittag und zum Abend hin Kürbissüppchen.

Ich stand mit einer Freundin am Herd. Wir haben fröhlich vor uns hin gewürzt. Sie: „Ich dachte, Halloween-Kürbisse kann man nicht essen.“ Tiefer Blick nach links in ein Paar leicht verunsicherte blaue Augen. Ich: „Weißt Du was? Ich hätte dich fast angerufen, um zu fragen, ob Du meinst, dass man Halloween-Kürbisse essen kann …“

Es war schon spät an diesem Nachmittag, bestimmt halb sechs. Alle Gäste waren schon da, sogar die späten. Das Süppchen war püriert. Nur ein paar Gewürze mussten noch rein. Es war keine Zeit mehr, Hokkaido-Kürbisse einzukaufen, geschweige denn zu kochen. Die essen wir sonst immer. Sie leuchten schön orange. Dieser hier war innen blassgelb. Und irgendwie weicher. Und trockener. Fast mehlig.

Ich: „Warum sollte man Halloween-Kürbisse nicht essen können? Man kann doch alle Kürbisse essen, oder?“ Kurzes Schweigen. „Außer natürlich Zierkürbisse. Aber deswegen heißen die ja auch so, außerdem sind sie ganz klein.“

Wir schnupperten kurz am Topf. Meine Freundin: „Den kann man essen!“ Ich: „Ja, er riecht doch auch ganz gut, oder? Nur die Schale muss weg, aber die habe ich vorher schon weggeschnitten.“

Meine Freundin: „Ja. Ich dachte ja auch nur, weil ich Halloween-Kürbisse bisher immer nur mit Fratze gesehen habe …“ Hatte ich ja auch …

Ich: „Aber man empfiehlt doch zur Halloween-Party auch, ein Kürbissüppchen zu kochen. Mit welchen Kürbissen sollte man die denn sonst kochen, wenn nicht mit Halloween-Kürbissen? Die muss man essen können! Oder?“ Sie: „Ja! Doch, bestimmt.“ Ein Freund, der an uns vorbeilief, meinte dann auch, klar könne man Halloween-Kürbisse essen. „Bestimmt.“ Aber er guckte schon kurz ein wenig unsicher.

Tja. Leichter Grusel gehört eben zu Halloween dazu.

Die Suppe hat dann auch allen geschmeckt. Äh … fast allen. Wie ich später gehört habe, hatte meine Freundin noch ein wenig mit dem Chili hantiert, als ich schon um die Ecke war. Das erfuhr ich aber erst abends, als ich meine Suppe probierte. „Oh“, sagte ich. „Du hättest das Gesicht Deiner Tochter sehen sollen“, meinte da die Frau eines sehr lieben Kollegen. Sie hat wohl ganz verdattert geguckt und dann gesagt: „‚Das schmeckt nicht!“ Danach ist sie gleich ins Kinderzimmer abgerauscht. Ähnlich ist es auch dem Freund meiner Tochter aus dem Kindergarten ergangen, dem ich Süppchen für zuhause eingepackt hatte. „Dann haben wir eben die Suppe gegessen“, meinte meine Mütterkollegin am nächsten Tag.

Ich fand die Suppe allerdings haargenau richtig.

Endlich wieder etwas deftiges – nicht immer nur so mildes Zeug … Und zumindest die anderen Erwachsenen fanden sie wohl auch ganz gut. Für die Kinder hatten wir auch noch Hackfleisch- und Spinattaschen da. Sie dürften satt geworden sein. Der Freund meiner Tochter hat zuhause noch ein Brot bekommen. Kuchen hatten sie, glaube ich, auch alle genug intus. Und sogar meinem kleinen Sohn hat sein Kürbispüree mit Kartoffeln sehr gut geschmeckt. Sein Essen würzen wir ja auch nie – er ist ein Baby.

Guten Appetit und viel Spaß beim Feiern und gruseln.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 31.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html